Verbot von bleihaltiger Munition
Europaweit gilt seit Januar ein Verbot von Bleischroten in Feuchtgebieten. Außerdem tritt zum April in Niedersachsen eine neue Regelung zur Verwendung von bleihaltiger Büchsenmunition und bleihaltigen Flintenlaufgeschossen in Kraft. Was Jägerinnen und Jäger jetzt wissen müssen, erklärt euch Christian Teppe in diesem Beitrag.

Neue EU-weite Verordnung
Seit dem 18. Januar 2025 ist die neue Chemikaliensanktionsverordnung (ChemSanktV) in Kraft. Sie stellt die Verwendung von Bleischrot in Feuchtgebieten unter Strafe. Konkret regelt § 1 Nr. 43 Buchstabe b ChemSanktV, dass der Einsatz von Bleischrot in diesen Gebieten verboten ist. Jäger müssen sich daher mit den neuen Vorschriften vertraut machen, um empfindliche Strafen und waffenrechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Die Regelung basiert auf der Verordnung zur Änderung der Chemikalien-Sanktionsverordnung.

REACH-Verordnung
Das Verbot folgt aus der europäischen REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, insbesondere Eintrag Nr. 63 des Anhangs XVII, der den Einsatz von Bleischrot in Feuchtgebieten EU-weit untersagt.
Wortlaut von Eintrag Nr. 63, Anhang XVII der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 Eintrag Nr. 63: Blei und Bleiverbindungen 3. „Bleihaltige Schrotmunition darf nicht in Feuchtgebieten oder innerhalb von 100 Metern um Feuchtgebiete verwendet werden.“ 4. „Niemand darf Bleischrot in Feuchtgebieten oder innerhalb von 100 Metern um Feuchtgebiete mit sich führen, es sei denn, es kann nachgewiesen werden, dass dieses Schrot nicht für die Jagd oder das Sportschießen bestimmt ist.“ 5. „Für die Zwecke dieses Eintrags bezeichnet der Begriff ‘Feuchtgebiet’ Gebiete gemäß der Definition in Artikel 1 Absatz 1 der Ramsar-Konvention, das heißt: • ‘Feuchtgebiete sind Gebiete von Sümpfen, Mooren, Torfmooren oder Gewässern – ob natürlich oder künstlich, ob dauerhaft oder temporär, mit stehendem oder fließendem, frischem, brackigem oder salzigem Wasser – einschließlich solcher Meeresgebiete, deren Tiefe bei Ebbe sechs Meter nicht übersteigt.’“
Umsetzung und Strafen
Was bedeutet das Verbot genau?
Die Regelung dient der Umsetzung der europäischen Vorgaben und betrifft nicht nur offensichtliche Gewässerzonen, sondern auch temporär wasserführende Flächen. Dadurch können auch Feuchtwiesen oder saisonal überflutete Gebiete unter das Verbot fallen.
Worauf müssen Jägerinnen und Jäger achten?
• Verbot des Einsatzes: In Feuchtgebieten darf kein Bleischrot mehr verwendet werden, unabhängig von der bejagten Wildart.
• Mitführverbot: Bleischrot darf in Feuchtgebieten oder in einem 100-Meter-Radius um diese herum nicht mitgeführt werden.
• Unklare Abgrenzung der Gebiete: Da Feuchtgebiete nicht immer klar erkennbar sind, sollten Jäger sich vorher informieren, um Strafen zu vermeiden.
• Alternative Munition nutzen: Stahl-, Bismut- oder Zinnschrot sind geeignete Alternativen.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Ein Verstoß gegen das Verbot ist eine Straftat nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 ChemG und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.


Verbot bleihaltiger Munition in Niedersachsen
Mit der Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes (NJagdG) wurde noch in der vergangenen Legislaturperiode mit breiter Mehrheit im Landtag ein bedeutender Schritt hin zu einer nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Jagdausübung beschlossen: Ab dem 1. April 2025 ist die Verwendung von bleihaltiger Büchsenmunition sowie bleihaltigen Flintenlaufgeschossen in Niedersachsen verboten. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Umweltbelastung durch Blei zu reduzieren, Wildtiere wie Seeadler vor Vergiftungen zu schützen und den Verzehr von bleihaltigem Wildbret gesundheitlich unbedenklicher zu machen.
Die schädlichen Auswirkungen von Bleimunition sind seit Jahren bekannt. Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das sich in der Natur kaum abbaut und über erlegte Wildtiere in die Nahrungskette gelangt. Besonders betroffen sind Greifvögel und Aasfresser, die sich von erlegtem oder verendetem Wild ernähren.
Gefahren für Mensch und Tier
Eine Reportage des NDR zeigt, wie Seeadler regelmäßig an Bleivergiftungen sterben, weil sie mit bleihaltiger Munition erlegte Tiere fressen. Untersuchungen ergaben, dass fast ein Drittel der tot aufgefundenen Seeadler an einer Bleivergiftung verendet ist. Die Symptome sind qualvoll: Muskelschwäche, Lähmungen und letztendlich ein langsamer Erstickungstod .
Auch für den Menschen birgt Bleimunition Risiken. Studien belegen, dass im Wildbret Rückstände von Blei gefunden werden können, insbesondere wenn es mit bleihaltiger Munition erlegt wurde. Da Blei eine giftige Wirkung auf das Nervensystem hat, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) besonders für Schwangere und Kinder den Verzicht auf Wildfleisch aus bleihaltiger Jagdmunition.
Mit dem Verbot folgt Niedersachsen nicht nur den Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz, sondern auch einer allgemeinen Entwicklung auf EU-Ebene. Bereits jetzt existiert mit der REACH Verordnung ein EU-weites Verbot von Bleischrot in Feuchtgebieten, und weitere Einschränkungen werden diskutiert.


Hinweise für Jägerinnen und Jäger
Laut dem geänderten Niedersächsischen Jagdgesetz handelt ordnungswidrig, wer entgegen § 24 Abs. 1 bei der Jagd verbotene Mittel oder Geräte verwendet, wozu explizit auch Büchsenmunition mit bleihaltigen Geschossen oder bleihaltige Flintenlaufgeschosse gehören .
Was bedeutet das Verbot für Jäger?
Mit dem Inkrafttreten des Verbots sind Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen verpflichtet, auf bleifreie Alternativen umzusteigen. Moderne Jagdmunition besteht meist aus Kupfer oder Zinn und bietet vergleichbare ballistische Eigenschaften. Dennoch sind einige Umstellungen notwendig:
1. Waffen reinigen!
In unserem Teppe & Schwenen Video "Teppe und Schwenen und das Wundermittel" zeigen wir Euch mit unseren Freunden von Ballistol, wie die Waffenreinigung funktioniert und warum sie so wichtig ist, um einen präzisen Schuss antragen zu können.
2. Munition neu einschießen
Bleifreie Munition hat oft eine andere Flugbahn und Einschlagwirkung als bleihaltige. Jägerinnen und Jäger sollten ihre Büchsen neu einschießen und auf dem Schießstand oder im Revier testen, um eine präzise Treffpunktlage sicherzustellen.
3. Ballistik und Tötungswirkung beachten
Während bleihaltige Munition oft fragmentiert, also zersplittert, setzen bleifreie Geschosse auf Deformation zur Energieabgabe. Dies erfordert eine bewusste Wahl des Geschossmaterials, um eine sichere Tötungswirkung zu gewährleisten.
4. Kostenfaktor einkalkulieren
Bleifreie Munition kann teurer sein als konventionelle Bleimunition, denn die Entwicklungskosten der Hersteller werden auf den Preis umgelegt. Eine frühzeitige Umstellung hilft, sich an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen.
Strafen bei Verstößen
Das Verbot ist gesetzlich festgelegt und Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit nach § 39 NJagdG. Wer nach dem 1. April 2025 weiterhin bleihaltige Büchsenmunition oder Flintenlaufgeschosse verwendet, riskiert:
• Bußgelder in empfindlicher Höhe
• eine Überprüfung der jagdrechtlichen Zuverlässigkeit
• In schweren Fällen kann sogar der Jagdschein nach § 18 BJagdG eingezogen werden.
Jägerinnen und Jäger sollten sich also nicht nur aus ethischen und ökologischen Gründen, sondern auch aus rechtlicher Sicht an die neuen Bestimmungen halten
Fazit
Das Bleischrotverbot in Feuchtgebieten ist ernst zu nehmen. Jägerinnen und Jäger sollten auf alternative Munition umsteigen, um hohe Strafen und waffenrechtliche Konsequenzen wie den Verlust des Jagdscheins und der Waffenbesitzkarten und am Ende auch eines eventuell bestehenden Jagdpachtvertrages zu vermeiden.
Das Verbot von Bleimunition in Niedersachsen ist ein entscheidender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Jagdausübung. Jägerinnen und Jäger sind nun gefordert, sich auf die neue Situation einzustellen, indem sie ihre Ausrüstung anpassen und sich mit den Eigenschaften bleifreier Munition vertraut machen.
Gleichzeitig profitieren wir Jäger von einer verbesserten Qualität des Wildbrets und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt und bedrohter Wildtiere wie dem Seeadler. Wer sich frühzeitig mit den Alternativen auseinandersetzt, wird die Umstellung problemlos meistern – und langfristig sowohl ökologisch als auch jagdlich profitieren.